Wer – Wie – Was

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Mein Name ist Sarah, ich bin Mitte dreißig und habe weder Haus, noch Baum oder jede Menge Kinder. Dafür liebende Menschen um mich, den besten Freundeskreis und endlich eine Wohnung, die zu mir passt.

Wenn Sie an mir vorbei gingen, würde mir vermutlich zuerst Ihr Hintern auffallen, welche Hose sie tragen oder ob ihr Rock etwas zu kurz ist. Ich würde Ihre Schuhe bewundern oder hässlich finden und das kleine Muttermal an Ihrem Knöchel würde mir definitiv auffallen. Wer wie ich das Leben auf Hüfthöhe erlebt, nimmt automatisch eine andere Perspektive ein und wird anders wahrgenommen. Darüber mag man sich schon mal aufregen, es ist an manchen Tagen lästig und manchmal sogar wirklich diskriminierend.

Es birgt aber auch eine Chance: Im Sitzen, mit Pudding in den Muskeln und eine Hand immer am Joystick erlebt man eine Menge – manches davon ist erfreulich, manches erstaunlich und auf manches hätte man gut verzichten können. In jedem Fall bringt es viel mehr Kommunikation mit sich als das Leben anderer Menschen. Ich erkläre, erzähle, diskutiere und schreibe sowohl beruflich als auch privat eine Menge, meistens zum Thema Behinderung.

Da trifft es sich gut, dass ich das schon immer gerne gemacht habe: Schreiben, Erzählen, Erklären. In Kommunikation sein. In Beziehung sein mit anderen Menschen. Über den eigenen Tellerrand blicken und anderen dabei helfen auch einen solchen Blick zu erhaschen. Denn Angst macht uns nur das, was wir nicht kennen.

Ich habe Gesellschaftswissenschaften und Sprachen studiert, einige Jahre in der Öffentlichkeitsarbeit und Selbsthilfe gearbeitet. Mittlerweile habe ich das Glück mit meiner Arbeit die Welt jeden Tag ein bisschen besser und inklusiver zu machen – und ich kann sogar davon leben!

Wenn ich gerade keinen Weltrettungsanzug trage, liebe ich das Meer, grünen Wackelpudding mit Schlagsahne und Freilichtmuseen. Ich glaube an die Macht von Sprache und gesprochener wie geschriebener Worte. Mit Ignoranz, dem Wort „Happen“ und schlechter Musik können Sie mich allerdings jagen. Wenn Sie Quietsch- und Pfeiftöne wie ein Wal machen können, erkenne ich Sie definitiv.

Über 10 Jahre habe ich auf jetzt.de mit anderen Nutzern und der Webwelt meine Gedanken und Gefühle, erlebtes und erdachtes geteilt. Als die Macher von jetzt.de im Januar 2016 endgültig den Communityteil der Seite geschlossen und damit den Nutzercontent verbannt haben, habe ich zunächst etwas verloren, was einen wesentlichen Teil meiner Identität mitgeprägt hat. Das Erzählen, das Schreiben, das Mitteilen: Den Kampf mit Worten, dafür dass Menschen mit Behinderungen automatisch mitgedacht und nicht vergessen werden, dass das beklemmende Gefühl in Ihrer Magengegend erst gar nicht aufkommt, wenn Sie das nächste Mal einem Menschen mit Behinderung begegnen. Dafür, dass Sie merken, dass ein Leben mit Behinderung eigentlich ganz normal sein könnte, wenn nur die Umwelt darauf vorbereitet wäre.

In diesem Sinne: Auf die Worte, Bordsteinabsenkungen für alle und das Leben!

Sarah